Hoftag am Adlerhof in Kolsassberg
Am 23. April 2022 bei Familie Moser.

 

Am 23. April 2022 war es endlich wieder mal so weit. Ein Hoftag war nach zwei Jahren Corona wieder möglich und Mitglieder der FoodCoops Vomperbach, Schwaz, Buch und Gnadenwald fanden sich um 10 Uhr bei der Familie Moser ein, die am Adlerhof am Kolsassberg, Merans 9 Vieh- und Getreidewirtschaft betreibt. Die verschiedenen Coops werden mit Fleisch, Speck, Kaminwurzen, Polnische, Grillschnecken, Käsekrainer, Frankfurter sowie Grammelschmalz oder Verhackerts beliefert. Alles und dazu noch frische Eier von glücklichen Hühnern gibt es auch im Bauernladen direkt beim Hof am Kolsassberg Merans 9.

 

Das Ziel der FoodCoops ist es nicht nur, regionalen Einkauf bequem(er) zu gestalten, sondern auch mit dem eigenen Einkauf Produkte zu erwerben, die in der Region erzeugt wurden und damit ganz nebenbei Arbeitsplätze sichern oder die CO2-Bilanz schonen. Bei diesem Hoftag ist besonders bewusst geworden, dass gerade bei Fleisch- und Milchprodukten nicht nur der Standort des produzierenden Betriebes eine Rolle spielt, sondern auch die Futtermittel, die für Rinder, Schweine und Hühner verwendet werden. Beim Hoftag haben wir dazu interessante Fakten erfahren.

 

Beim Hoftag gingen wir quasi rückwärts durch die Produktion. Die Bilder dazu findet ihr in der Bildergalerie, die wir diesmal ordentlich bestückt haben!

Los ging es mit interessanten Fakten beim selbstgebauten Bauernladele. Jungbauer Manuel ist gerade mal 18 Jahre alt, hat die Landwirtschaftsschule Rotholz absolviert. Direktvermarktung und Veredelung der am eigenen Hof produzierten Produkte ist sein Thema und so absolviert er nun in der Metzgerei der LLA Rotholz gleich noch eine Metzgerlehre. Er hatte vor ca. 3 Jahren auch die Idee zum Direktverkauf mit Selbstbedienung. Zuerst wurde um den Kühlschrank ein Kasten gebaut und während die Eltern auf Urlaub waren, baute Manuel mit einem Kollegen das Ganze dann kurzerhand zum Bauernladele aus. Ist ja viel bequemer und obendrein ist alles selbst gebaut.

Jungbauer Manuel hat dazu mit 18 schon konkrete Pläne. Nach der Metzgerlehre wird er Zivildienst machen, und sich dann in anderen Betrieben umschauen und Erfahrung sammeln. Für die Zukunft ist geplant, die Direktvermarktung auszubauen und am Hof soll in den nächsten Jahren auch kräftig investiert werden. Bauer Hubert und Jungbauer Manuel Moser sind sich einig: „Der Fokus an unserem Hof liegt immer schon auf Tierwohl und gesunde Haltung und besonders befassen wir uns mit dem Thema Futter und Ernährung der Tiere. Wir müssen als Bauern dabei gleichzeitig wirtschaftlich und nachhaltig arbeiten. Milchkühe sind wie Hochleistungssportler und es braucht viel an Wissen und Gespür, um das beste Produkt zu erzeugen. Wir haben noch keinen Laufstall, die Milchkühe kommen im Sommer auf die Weide, das Jungvieh auf die Alm. In die Eng und ins Fotschertal im Sellrain.“

 

Ca. 75 Stück Vieh - 27 Milchkühe, 8 Maststiere, Kälber und „Galtvieh“ (Jungvieh), dazu ca. 50 Schweine und 70 Hühner sind die Grundlage des Vollerwerbsbauernhofes. Weiters gehört noch eine Haflingerstute mit im März geborenen Fohlen und 4 Katzen zum Adlerhof, die Kinder hatten das Fohlen gleich erspäht.

Bauer Hubert Moser: „Nur mehr 20 Prozent der Betriebe in Tirol werden als Vollerwerbsbetriebe geführt. Unsere Familie ist seit 1896 am Adlerhof. Eine Besonderheit bei uns ist, dass wir das Grundfutter für alle Tiere – Gras-Silage, Getreide (Gerste) und Heu sowie auch Stroh selber auf 23 ha (7,5 ha Eigenfläche und 17 ha sind gepachtet) herstellen. Für die Schweine bekommen wir Molke vom Graukäseerzeuger Lieb in Weerberg und Kraftfutter wird zugekauft. Wir sind kein zertifizierter Biobetrieb, verwenden aber kein Soja.“ Am Adler-Hof werden im Jahr 500-600 Siloballen erzeugt, die Rinder brauchen allein einen Ballen am Tag – eine gute Milchkuh „verdrückt“ 130 Liter Wasser und 40 Kilo Futter am Tag.

 

Am Hof wird selber geschlachtet - einmal im Monat 7-8 Schweine und 1 Stier oder Rind.

Versorgt mit diesen und noch weiteren interessanten Informationen ging es dann ins Schlachthaus. 1996 gebaut ist es EU-zertifiziert. Die Ferkel werden nicht selber gezüchtet sondern von Zuchtbetrieben aus Schwaz und vom Volderberg zugekauft. Jedes Tier wird registriert – sowohl die Schweine als noch genauer auch die Rinder. Manuel erzählt, dass die erste erfasste Milchkuh am Hof 1969 Edeltraud war, die erste Kuh in der Region, die mehr als 40 Liter Milch gab. Die gesamte Verarbeitung aller Fleischprodukte erfolgt am Hof. Monika erzählt mir dann noch, dass der Großteil des Fleisches frisch an Abnehmer geht – wenn ein Stier geschlachtet sind, werden bis zu 300 Abnehmer informiert.

 

So, und dann ging in den Stall zu den Schweinen, Kälbern, Milch- und Galtvieh. Die waren auch ganz überrascht und ein paar auch ein wenig aufgeregt, was da heute im Stall alles los ist. Meine Tasche war ein besonderer Anziehungspunkt – leider war für Kühe nichts Gutes drin! Man merkt bei der Familie Moser, wie sehr sie ihre Tiere mögen, mit Respekt behandeln und Tierwohl ist bei ihnen kein Schlagwort, sondern sie schauen auf jedes einzelne. Manuel: „Tiere sind für uns nicht wie Menschen, sie sind schon unser Produkt, aber wenn es unseren Tieren gut geht, nur dann stimmt das Produkt.“ Es gab viele Fragen und angeregte Gespräche. Auch den Kindern hat es gefallen und zum Abschluss gab es dann noch eine kleine Führung in den alten Getreidespeicher. Manuel Moser: „Dieser alte Getreidespeicher steht uns zwar mitten am Hof manchmal etwas im Weg, aber er wurde von meinem Opa, ein leidenschaftlicher Feuerwehrler und Funktionär als Kameradschaftsraum für die Feuerwehr ausgebaut. Jetzt nützen den Raum wir Jungen als Treffpunkt und haben gerade eine „neue“ Bar eingebaut. An den Wänden und heute als „Deko“ finden sich viele alte bäuerliche Handwerksgeräte, auch ein altes Butterfass und ein Dreschschlegel sind dabei. Manuels Opa hat schon gerne mit Neuerungen experimentiert und Manuel erzählt uns, dass sein Opa der erste war, der „Bodenheuen“ am Kolsassberg eingeführt hat.

Für Manuel ist klar, dass er den Betrieb in Vollerwerb weiterführen und noch erweitern möchte. Gemeinsam mit seinen Eltern Monika und Hubert sind sie hier mit Herz und Seele bei der Sache und ein tolles Team. Vielen Dank für die interessanten Einblicke und die köstlichen Produkte, die wir über die FoodCoops bekommen!

 

Beitrag und Bilder Barbara Wildauer



Kartoffel-Giersch-Suppe
95 % Speisekammer, denn der Giersch wächst ja wild